Vorwort von Jan Assmann Die Geburt der Religion aus dem Geist der Literatur
Die Bibel als literarisches Meisterwerk
ein Buch von Hans-Peter Schmidt
Gott lügt nicht, lautet eines der liebsten Vorurteile des Abendlandes. Und wer die Bibel zudem für das Wort Gottes hält, dem muß es als Sünde erscheinen, dies he-bräische Meisterwerk als Literatur oder gar als Fiktion anzusehen. Aber war nicht gerade die literarische Fiktion der Bibel die menschenwürdigste Verteidigung vor den Demütigungen durch das Schicksal, durch die Götter und das Leben überhaupt?
Schicksal Gott Fiktion versucht, die hebräische Bibel so religiös unvoreingenommen wie möglich als literarisches Werk zu lesen. Wobei es keineswegs darum geht, die Bibel als ein lediglich schöngeistiges Werk in Verruf zu bringen, sondern darum, wie die althebräische Literatur das Dasein aus dem Inneren der Vorstellungswelt er-oberte und die quälenden Fragen der menschlichen Exis-tenz zu einem Abenteuer des erlebenden Denkens machte.
Anhand von faszinierenden Ausdeutungen alttestamentarischer
Erzählungen zeigt das Buch, wie das Schuldgefühl zur Rettung vor
dem Schicksal wurde, wie der Krieg als höchste Strafe des Himmels die
Universalisierung des monotheistischen Gottes verhinderte, wie sich vom biblischen
Vaterbild der Charakter des grausamen, liebenden Gottes ableitete, wie in
der Genesis selbst Gott zunächst auf die Probe gestellt wurde, wie man
die heimtückisch versteckte Intelligenz der Frau zum Abbild der Durchtriebenheit
des Volkes machte und inwiefern die Menschlichkeit Jahwes Bedingung seiner
allmächtigen Göttlichkeit war.